MiFID

Studie: Deutsche Finanzindustrie unterschätzt Aufwand für MiFID-II-Umsetzung

Die neue Finanzmarktrichtlinie MiFID II ist aus Sicht der deutschen Wertpapierfirmen noch Zukunftsmusik. Das ergab eine schriftliche Befragung von 159 Unternehmen, die die Professur für e-Finance der Frankfurter Goethe-Universität in Zusammenarbeit mit der PPI AG durchgeführt hat. Ergebnis: Alle teilnehmenden Unternehmen sammeln zwar bereits Informationen zum Thema MiFID II, aber nur ein Drittel von ihnen hat bisher mit der Projektplanung begonnen, nicht einmal jedes zehnte mit der Umsetzung.

Die Neufassung der EU-Richtlinie „Markets in Financial Instruments Directive (MiFID)“ ist eine Reaktion auf die Finanzkrise. Sie soll der Harmonisierung der Finanzmärkte im europäischen Binnenmarkt dienen. „MiFID II wird einige wesentliche Neuerungen mit sich bringen, auf die sich Wertpapierunternehmen rechtzeitig vorbereiten müssen“, sagt Christian Appel, Partner bei der PPI AG.

Dazu gehören:

  • die Einschränkungen von Provisionen in der Anlageberatung und Vermögensverwaltung (wobei die Höhe der Einschränkungen derzeit umstritten ist)
  • erweiterte Wohlverhaltensregeln bei der Erbringung von Wertpapierdienstleistungen
  • erweiterte Melde- und Dokumentationspflichten
  • eine Ausweitung der Vor- und Nachhandelstransparenz
  • eine verstärkte Regulierung des Hochgeschwindigkeitshandels sowie des Algo-Tradings

Ein genauer Zeitpunkt für das Inkrafttreten von MiFID II steht noch nicht fest. Derzeit gehen Experten davon aus, dass das neue Regelwerk Ende 2013 oder Anfang 2014 verabschiedet und frühestens ab 2015 für alle verbindlich gelten wird. „Angesichts der Tragweite der Änderungen für bestehende Geschäftsmodelle, Systeme und Prozesse ist eine frühzeitige Auseinandersetzung mit den Neuerungen ratsam“, sagt Christian Appel. „Die Unternehmen müssen beispielsweise frühzeitig wissen, wie sich die neue Richtlinie auf die Geschäftsausrichtung und das damit verbundene Produkt- und Leistungsspektrum auswirkt.“ Wie die Studie zeigt, hat jedoch noch nicht einmal ein Fünftel der Institute damit begonnen, die Auswirkungen von MiFID II auf die Unternehmensstrategie zu analysieren.

Unternehmen sehen nur die Schattenseiten

Das Zögern der deutschen Wertpapierunternehmen, MiFID-II-Projekte aktiv anzuschieben, hängt damit zusammen, dass sie der neuen Richtlinie skeptisch gegenüber stehen: 96 Prozent der Umfrageteilnehmer schätzen den finanziellen Nutzen von MiFID II als geringer als die damit verbundenen Kosten ein. Lediglich zwei Studienteilnehmer geben an, dass sie von der MiFID II auch Geschäftsimpulse oder Wettbewerbsvorteile erwarten. „Die Skepsis ist verständlich, doch MiFID II wird kommen. Darum sollten die Unternehmen dies als Chance begreifen und positive Entwicklungen daraus ableiten“, rät MiFID-Experte Christian Appel. „Die neuen MiFID-II-Anforderungen bieten auch die Chance zu mehr Kundenkontakt und für neue Geschäftsmodelle in der Beratung. Wer dabei für mehr Transparenz sorgt und Kunden laufend eine Beurteilung über die Eignung der Finanzinstrumente anbietet, stärkt deren Vertrauen.“

Über die Studie

Die Studie „Die Umsetzung der MiFID II Neufassung der Markets in Financial Instruments Directive (MiFID) sowie der Markets in Financial Instruments Regulation (MiFIR) in der deutschen Finanzindustrie“ analysiert den Vorbereitungsstatus der deutschen Finanzindustrie auf die neue EU-Richtlinie MiFID II. Mittels einer schriftlichen Befragung von 159 deutschen Wertpapierfirmen (Rücklaufquote: 17%) wurden Projektplanung und Einschätzung deutscher Finanzintermediäre zur MiFID II erfasst, um durch ein repräsentatives Meinungsbild den aktuellen Vorbereitungsstatus zu erheben und Aussagen zu geschätzten Kosten, Nutzeneffekten sowie Wettbewerbspotenzialen treffen zu können. Die Stichprobe umfasst die 100 größten Kreditinstitute (nach Bilanzsumme) sowie die Handelsteilnehmer der sechs größten Börsen in Deutschland (Börse Berlin, Börse Frankfurt, Börse Düsseldorf, Börse Hamburg-Hannover, Börse München, Börse Stuttgart).

PPI Aktiengesellschaft

Die PPI Aktiengesellschaft ist seit mehr als 25 Jahren an den Standorten Hamburg, Kiel, Frankfurt, Düsseldorf und Paris erfolgreich für die Finanzbranche tätig. 2012 erwirtschaftete das Unternehmen mit seinen 358 Mitarbeitern 42,4 Millionen Euro Umsatz in den drei Geschäftsfeldern Consulting, Software Factory und Electronic-Banking-Produkte. Im E-Banking liegt der Schwerpunkt auf sicheren und wirtschaftlichen Standardprodukten für die Kommunikation zwischen Firmenkunden beziehungsweise Privatkunden und ihrer Bank. Hier ist die PPI AG Marktführer in Deutschland. In der Software-Entwicklung stellt PPI durch professionelle und verlässliche Vorgehensweise eine hohe Qualität der Ergebnisse und absolute Termin- und Budgettreue sicher. Das Consulting-Angebot erstreckt sich von der strategischen über die bank- und versicherungsfachliche bis zur IT-Beratung.

Pressekontakt

Oliver Seifried
Faktenkontor GmbH
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