Consulting Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.08.2006, Nr. 201, S. B6


Outsourcing nicht um jeden Preis
Nur gezielt ausgewählte Prozeßschritte sind für eine Fremdvergabe geeignet
 
Von Uwe Prieß

Mit der Auslagerung von Unternehmensprozessen erzielen Unternehmen in Deutschland durchschnittliche Kosteneinsparungen in Höhe von 19,5 Prozent. Dabei führt die IT-Branche die Erfolgsliste auf breiter Basis an: 80,7 Prozent verbuchen Kostenvorteile von zehn Prozent oder mehr. Diese Zahlen ziehen Strategieberater gerne für eine umfassende Outsourcing-Empfehlung heran. Nach dem Motto "Viel hilft viel" sollen Produktionsabläufe möglichst umfassend an externe Partner vergeben werden. Die Praxis gibt auf die Outsourcing-Frage jedoch einen anderen Rat: Nur gezielt ausgewählte Prozeßschritte sind für eine Fremdvergabe geeignet. Strategisch wichtige Umsetzungsphasen bleiben besser im eigenen Haus. Dieser Grundsatz wird beim IT-Outsourcing besonders deutlich. In der Anfangs- und Endphase einer Softwareentwicklung kommt für zwei Drittel der Unternehmen eine Auslagerung unter keinen Umständen in Betracht. Das ist das Ergebnis der Studie "Software - Made in Germany" der PPI AG.

Die Zurückhaltung wirkt auf den ersten Blick überraschend. Denn das IT-Outsourcing nach Übersee oder in die neuen Beitrittsstaaten der EU verspricht nach dem gängigen Bild die größten Einsparpotentiale. Tatsächlich hat sich die Zahl der Outsoucing-Projekte in entfernte geographische Regionen (Offshore) in den vergangenen zwei Jahren mehr als verdoppelt. Mit einem Anteil von knapp 20 Prozent bleibt die Fremdvergabe jedoch, beispielsweise in asiatische Länder, deutlich hinter den lokalen Lösungen zurück. 83 Prozent der Unternehmen entscheiden sich für einen Partner in der Nähe des eigenen Standorts (Onshore).

So hält zwar ein Drittel der IT-Entscheider die Realisierung von Software-Projekten im Ausland für gleichermaßen gut aufgehoben wie im Inland. In der Planungsphase setzen die Manager dagegen fast ausschließlich auf deutsche Partner. Hier fällt die Zustimmung für eine Vergabe außerhalb der Landesgrenzen auf magere 3,5 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Umsetzung von Integrationsaufgaben: Nur gut fünf Prozent können sich einen ausländischen Dienstleister als Outsourcing- Partner vorstellen. Für jeden fünften kommt nur ein heimischer Anbieter in Betracht. Mehr als zwei Drittel entscheiden sich für eine hausinterne Lösung in diesem sensiblen Bereich (Onsite).

Dieses Denken spiegelt sich auch in der Bewertung der Wettbewerbsvorteile von In- und Auslandsentscheidungen wider. So legen 92,5 Prozent der IT-Entscheider beim Dienstleister Wert auf die Kenntnis der deutschen Sprache. 87,5 Prozent wollen das Partnerunternehmen vor Ort verfügbar haben. Und 84,9 Prozent wünschen sich beim Dienstleister die Kenntnis gesetzgeberischer und regulativer Vorgaben, die bei der Softwareerstellung berücksichtigt werden müssen. Rund zwei Drittel der IT- Entscheider schätzen zudem die Lauf- und Betreuungszeiten bei Auslandsprojekten höher ein als bei einer Zulieferung durch deutsche Anbieter. Das oftmals günstigere Preis-Leistungs-Verhältnis der Auslandsanbieter, das Beratungsunternehmen gerne betonen, wird daher überwiegend nur in der zeitlich begrenzten Realisierungs- und Testphase genutzt. Ohnehin ist es möglich, durch kluge Ingenieurleistung auch im Inland zu vertretbaren Kosten Software zu programmieren.

Diese Vergabegrundsätze in den unterschiedlichen Entwicklungsphasen bieten den deutschen Outsourcing-Partnern strategische Vorteile. Da die Kompetenzen der heimischen Dienstleister in der Planungsphase am höchsten eingeschätzt werden, bestehen gute Chancen, frühzeitig ein solides Kundenverhältnis zum Vergabevertrieb aufzubauen. 89 Prozent der Unternehmen halten eine enge Zusammenarbeit von Fach- und IT-Experten in den frühen Phasen eines Projekts für erfolgsentscheidend. Dabei können die heimischen Anbieter nach Angaben der IT-Experten auch die wichtigsten Outsourcing-Faktoren von Softwareprojekten besser erfüllen als ausländische Wettbewerber. Die genaue Abdeckung der fachlichen Anforderungen durch die Software halten 87,5 Prozent der Unternehmen für sehr wichtig. Der Grundstein für dieses Erfordernis wird in der frühen Planung gelegt. Knapp zwei Drittel der Befragten setzen zudem höchste Priorität auf Zuverlässigkeit und Robustheit der Software im praktischen Einsatz. Auch hier werden die Weichen oftmals in der frühen Konzeption gestellt. 60 Prozent der Unternehmen halten die Kontinuität bei Wartung und Weiterentwicklung der Software für einen sehr wichtigen Faktor. Heimische Anbieter können hier ihren Standortvorteil nutzen und vor Ort eine Basis schaffen.

Der Bildung einer soliden Vertrauensgrundlage kommt auch mit Blick auf die Risiken einer Auslagerung besondere Bedeutung zu. Bei den kritischen Faktoren wird die mögliche Abhängigkeit von den Leistungen des Outsourcing-Partners als größtes Hindernis genannt. Rund 70 Prozent der Unternehmen äußern eine entsprechende Besorgnis. Zudem fürchtet sich mehr als die Hälfte der Befragten vor einem Know-how-Verlust.
 
 
Bildunterschrift: Bevorzugtes Ziel: Viele Outsourcing-Projekte gehen nach Indien.

 
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