Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.04.2007, Nr. 80, S. B5
Vorteil durch SEPA
Deutsche Banken wollen SEPA dazu nutzen, ihre Marktposition bei Firmenkunden europaweit auszubauen. Ihr Ziel: SEPA frühzeitig in einem leistungsfähigen Electronic-Banking-Angebot umzusetzen. Hierzu wollen die Banken und Sparkassen mit EBICS einen neuen internetbasierten Standard noch vor ihren europäischen Wettbewerbern etablieren.
Die ab 2008 verbindliche Umstellung auf das neue europäische Zahlungsformat SEPA (Single Euro Payments Area) beschert deutschen Banken derzeit eine neue Wettbewerbssituation: Die Kreditinstitute wollen SEPA dazu nutzen, ihre Marktposition bei Firmenkunden europaweit auszubauen. Wie aus der von ibi research und der PPI AG initiierten Trendstudie "Electronic Banking 2007" hervorgeht, sind die Banken aus Deutschland dabei in einer günstigen Ausgangsposition, denn es geht für sie nicht nur darum, die Bereitstellung der verpflichtenden Formate zu sichern. Das Ziel der Institute wird vielmehr sein, SEPA frühzeitig in einem leistungsfähigen Electronic-Banking-Angebot umzusetzen. Hierzu wollen die Banken und Sparkassen mit EBICS einen neuen internetbasierten Standard noch vor ihren europäischen Wettbewerbern etablieren.
Der Zeitvorsprung ist dabei ein Wettbewerbsvorteil. Solange andere europäische Länder noch nicht über ein vergleichbares Angebot verfügen, wird die frühzeitige SEPA-Fähigkeit zu einem Vorteil gegenüber den internationalen Konkurrenten. Auf Grundlage von EBICS und der elektronischen Signatur werden die Banken ein multibankfähiges Kundenportal mit marktfähigen Preisen anbieten. Attraktive Zusatzdienstleistungen werden bis spätestens 2012 folgen. Mit Blick auf die zu erwartende Konsolidierung der Bankverbindungen wird es damit ganz wesentlich darum gehen, die Anforderungen größerer, international tätiger Unternehmen künftig besser zu erfüllen.
Der Zeitpunkt, wann die SEPA-Verfahren effektiv und kundenfreundlich umgesetzt werden, ist demnach von entscheidender Bedeutung, wenn es um die Zugewinnung von Marktanteilen geht. Dem frühzeitigen Wechsel vom etablierten Kommunikationsprotokoll BCS-FTAM zur internetbasierten Variante EBICS kommt hierbei eine Schlüsselfunktion zu. Ziel ist es, den einheitlichen und multibankfähigen Bankenstandard für Übertragungsmöglichkeiten im Internet auszubauen und die damit verbundenen Anwendungsmöglichkeiten zu erweitern. Daraus ergeben sich zum einen interessante Potenziale, Firmenkunden über das eigene Portal auch die Verwaltung von Kontoverbindungen bei anderen Banken zu ermöglichen. Zum anderen ist EBICS die Basis für die Bereitstellung innovativer internetbasierter Dienstleistungen. Hinzu kommt, dass der Wechsel von ISDN- auf internetbasierte Kommunikation wohl die einzige wirkliche Herausforderung für die Banken sein wird. Da die Abläufe bei FTAM und EBICS einander recht ähnlich sind, ist nicht von einer Steigerung der Komplexität auszugehen. Immerhin haben die Banken durch die nationalen Standards für Privat- und Gewerbekunden bereits Erfahrung mit multibankfähigen und sicheren Zugängen von den Kunden zu den Banksystemen. Im Hinblick auf SEPA kann man sogar davon ausgehen, dass sich EBICS sukzessive als europäischer Standard durchsetzen wird. Einige Länder im Osten der EU sowie Österreich, Frankreich und die Niederlande zeigten sich bereits interessiert. Den neuen Standard zu übernehmen wäre auch durchaus sinnvoll, denn in Europa gibt es nichts Vergleichbares.
Die günstige Ausgangsposition der deutschen Institute fußt allerdings nicht nur auf der rechtzeitigen Verfügbarkeit eines leistungsfähigen und standardisierten Kommunikationsprotokolls. Hinzu kommen zwei weitere Aspekte, die die deutschen Banken zum Favoriten der SEPA-Umstellung machen: Grundsätzlich scheinen die Institute mit dem bisher geringen Preisniveau im nationalen Zahlungsverkehr in einer guten Ausgangslage. Durch die Schaffung einer einheitlichen Plattform für den gesamten europäischen Zahlungsverkehr lassen sich die Kosten für die Zahlungsverkehrsabwicklung zukünftig sogar noch stärker reduzieren.
Diese geringen Abwicklungskosten im Zahlungsverkehr stellen eine gute Ausgangsbasis dar, um europaweit attraktive Firmenkunden zu akquirieren und systematisch für weitere Geschäfte zu gewinnen. Zudem wird die Gewährleistung sicherer Authentifizierungen eine Rolle spielen. Mit der Einführung von EBICS wird die Bedeutung elektronischer Signaturen weiter zunehmen. Ihnen kommt für die Auftragserteilung über Softwarelösungen künftig die größte Bedeutung zu, um Manipulationen des Kundensystems durch Viren und Trojaner oder Passwort-Phishing zu vermeiden. Nahezu alle Banken planen hierfür die Umsetzung einer elektronischen Signatur nach EBICS.
Da SEPA nur Basisleistungen vorgibt, stellt sich neben den Aspekten des Zahlungsverkehrs auch die Frage nach Möglichkeiten der Erweiterung des Leistungsangebots. Die große Mehrheit der deutschen Banken und Sparkassen wird SEPA deshalb als Plattform nutzen, um systematisch nach Innovationsmöglichkeiten zu suchen. Zusätzliche neuartige Dienstleistungen bieten die Möglichkeit, sich trotz der weiter zunehmenden Standardisierung durch SEPA von Wettbewerbern zu differenzieren. Insbesondere die bis 2010 vorgesehene Umsetzung eines sicheren Lastschriftverfahrens bietet hierfür gute Möglichkeiten. Derzeit steht die Entwicklung von Zusatzdienstleistungen zwar noch nicht im Fokus, grundsätzlich ist aber davon auszugehen, dass die deutschen Banken und Sparkassen neue Dienstleistungen früher am Markt platzieren werden als ihre Wettbewerber. Der oben genannten Trendstudie zufolge wollen die Banken bis spätestens 2012 attraktive Zusatzservices anbieten, um den Wettbewerbsvorteil nicht zu verspielen.
VON UWE PRIESS
Vorstandsvorsitzender, PPI AG, Hamburg
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