Bankenregulierung

Instituten fehlt der Überblick bei Compliance-Auflagen (PPI FORUM)

Eine Armada neuer Verordnungen soll das Finanzsystem zähmen. Vier von zehn Banken in Deutschland haben jedoch keine vollständige und klare Übersicht über die für sie wesentlichen Anforderungen. Das zeigt die PPI-Studie zu den „Auswirkungen von Regulierungen auf Kreditinstitute“.

MaRisk, Basel III, MaSan, IFRS 9 – eine Flut neuer Regularien ergießt sich auf Geldhäuser in Deutschland. Doch 40 Prozent der Banken haben keine vollständige und klare Übersicht darüber, welche Vorschriften für sie relevant sind. Das gilt insbesondere für kleine Banken mit weniger als einer Milliarde Euro Bilanzsumme. Jedes zehnte Kreditinstitut gibt zudem an, dass im eigenen Haus nur geringes Vertrauen in die Richtigkeit und die Auslegung der Anpassungen in ihrem Unternehmen besteht. Auch diese Meinung ist am häufigsten bei den kleinen Instituten zu finden. Das zeigen die Ergebnisse der PPI-Studie zu den „Auswirkungen von Regulierungen auf Kreditinstitute“, die unter 80 Kreditinstituten durchgeführt wurde. Befragt wurden Entscheider aus den Bereichen Risikomanagement, Finanzen und IT.

Auflagenflut überfordert vor allem kleine Institute

„Fachliche Unkenntnis und fehlendes Vertrauen in die eigene Umsetzungskompetenz sind eine gefährliche Mischung“, sagt Peter Hoffner, Studienleiter, Risikomanagementexperte und Mitglied der Geschäftsleitung bei PPI. Das erklärt, warum vor allem kleine Banken hinterherhinken. Großbanken und Sparkassen wiederum gaben an, dass sie alle für sie relevanten Regulierungen kennen. „Das ist vor allem strukturell begründet“, sagt Hoffner. Großbanken haben in der Regel eigene Compliance-Abteilungen. „Dort wird die Verantwortung für die Umsetzung gesetzlicher Vorgaben auf mehrere spezialisierte Experten verteilt. Kleinen Banken stehen hingegen meist nur wenige Mitarbeiter zur Verfügung, die Umsetzung und Überwachung der Compliance-Auflagen häufig zusätzlich zum Tagesgeschäft bewältigen müssen“, weiß Hoffner.

Für 95 Prozent aller Geldhäuser geht die Intention von Politik und Bankenaufsicht, durch Regulierungen Krisen des Finanzsektors zukünftig zu verhindern, allerdings teilweise an der Wirklichkeit vorbei. Sie monieren die Planungswillkür des Gesetzgebers, die Komplexität der Umsetzung, den fehlenden wirtschaftlichen Nutzen für die Banken und die hohen Kosten. Die Hälfte der Institute befürchtet zudem, eine Regulierung aus Zeit- und Budgetgründen nicht rechtzeitig zu schaffen. Der Termindruck ist das Hauptproblem.

Banken befürchten steigende Regulierungskosten

Die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben ist zudem immer mit einer Anpassung der IT verbunden. Jedes fünfte Institut investiert derzeit mehr als 30 Prozent des gesamten IT-Budgets in die Adaption an regulatorische Vorgaben. 71 Prozent der Geldhäuser gehen davon aus, dass das Budget dafür zukünftig steigen wird. MaRisk und Basel III sind mit den größten Investitionsaufwänden verbunden. Sehr weit oben auf der Agenda steht auch die Standardisierung von Prozessen. Die Vielzahl der neuen Auflagen, deren Detailtiefe und ein oftmals ambitionierter Zeitplan stellen Institute durchaus vor große Herausforderungen. „Mit Unterstützung externer IT- und Compliance-Experten werden sie jedoch zu bewältigen sein“, sagt Hoffner.

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